Maja Linthe: Bloggen mit Hut

Lichttreppenblog_foto

 

Leuchttreppenblog

Licht schob sich als Funkelkonfetti die Stufen hinunter,

schlich schneckengleich Stufe um Stufe.

Still stand ich und glitt träumend im Rolltreppentempo hinab

auf einem glänzenden Teppich aus Licht.

Und sollte es auch dunkel werden, so trüge es mich doch. Maja Linthe: Bloggen mit Hut weiterlesen

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Claudia Breitsprecher: Ausrufe und andere Zeichen

Nachtschicht

Sie musste wach bleiben, den Blick auf die Formel richten, P1010165adie noch immer nicht stimmte. Sie gähnte. Rieb sich die Augen. Gähnte erneut. Den ganzen Tag lang das Grübeln und Verwerfen für nichts. Eine neue Berechnung. Der nächste Versuch. Papierkorb, real und digital. Weg damit.
Es arbeitete weiter und immer weiter in ihrem Hirn, obwohl längst das Mondlicht hell auf ihren Schreibtisch fiel. Etwas war falsch falsch falsch.
Die Glieder wie Steine so schwer. Sie ließ die Schultern kreisen und spürte keine Besserung. Vielleicht sollte sie kurz den Kopf auf die Arme sinken lassen. Und die Augen schließen. Nur für … ein paar … Minuten. Claudia Breitsprecher: Ausrufe und andere Zeichen weiterlesen

Postkarte aus GÖRLITZ

Görlitz hat zwei Seiten: eine deutsche und eine polnische. Nachts hat es zwei andere Seiten: eine helle und eine dunkle.  Mehr muss man eigentlich nicht wissen über Görlitz.

Tags standen wir im Flüsterbogen. Der hat auch zwei Seiten. Ganz leise kann man einander etwas zuflüstern, auf deutsch oder polnisch, mit heller Stimme oder mit dunkler.

Abends, als es dunkelte, saßen wir vorm „Dreibeinigen Hund“ und aßen Ziegenrollbraten. Da schlichen die Katzen an uns vorbei. Sie waren noch nicht grau.

Anja Koemstedt. Notizen aus dem Papierkorb

schlafes schwester lullaby

 

sprache spricht auch wenn wir schlafen wispert uns zu raunt ungehörtes

musssoseinsagtsie

noch durch die vergessensten gehirngänge

windet sie sich

ichwilldasnicht

wo doch der mond

unerbittlich hell go to hell so hell

ich würde gerne schschschsch ich darf nicht ich muss

nur nichts als immer

sprache

sprache

verwaist beinahe

unterwegs in engen gassen unerhört

drückt sich in hauseingänge schleicht

durch flure tröpfelt an vorzimmertüren entlang lungert

herum im wartebereich leckt

plastikstühle ab aus langeweile

schmeckt reste weiblicher sitzfeuchte

atmet ———————– durch meinen in meinen

nachtschwarzen saustall hinein
(zwingt mich zu: nacht + schwarz)

(siehe auch: zu: mond + hell go to hell)

also: durch den nachtschwarzen saustall meiner wüsten bilder schießen da

plötzlich < verboteneswort <ichwilldasnicht!

kataraktartig versatzstücke aus wortbruchbaustellen und

übernehmen kurzerhand die bildregie

furchen bahnwitzig zwischen adverbiallosen acryllacken und hirnlosen lösungsmitteln herum (lösung!

los-er-end-, ja, was nun, lösung? mittel? bist du eins? hast du eins? zur lösung?)

 

ich würde gerne schschschsch ich darf nicht ich muss

nur nichts als immer

sprache

schlafdurchlöchert wachliegend ich

spricht sie mich un ent wegt an

 

(mögliches happy end ((eine erfindung von ausgeschlafenen)):

den pinsel getränkt IN BLACK

weg ist der mond)

Marion Boginski: Klein(ich)keiten

Welche Farbe hat die Nacht?

(Kleine philosophische Frage)

Ist sie schwarz oder grau oder weiß?

Da haben wir das erste Dilemma!

Mit der Farbtheorie von Johannes Itten sind schwarz und grau und weiß keine Farben sondern Nicht-Farben.

Also besteht die Nacht aus Nicht-Farben oder ist nur dunkel oder hell?

Zumindest sind die Weißen Nächte bunt.

Doch verschwinden mit dem Licht rot, gelb, blau und alle Schattierungen dazwischen.

Nachtfoto

Aber waren überhaupt Farben da?

Hier kommt das zweite Dilemma!

Die Zeit ist eine Illusion, meinte Albert Einstein.

Was zu beweisen wäre wie seine „geheimnisvollen Kräuselungen der Raumzeit“, die Gravitationswellen, fast 100 Jahre später.

Kann es sein, dass auch Farben eine Illusion sind?

Dass sie nicht in der Welt existieren, sondern nur in unserem Geist?

Fanden zumindest der Londoner Philosoph und Arzt John Locke und der irische Bischof George Berkeley im 17. Jahrhundert.

Farbe ist nicht da, entsteht nur im Moment des Sehens. Eine Wahrnehmung zwischen Auge und Gehirn.

Und ist so komplex, dass es sich bis heute niemand wirklich erklären kann.

Ist nun die Nachtfarblosigkeit die wahre Wirklichkeit? Und ist Zeitlosigkeit die wahre Wirklichkeit?

Existieren sie nur in unserer Wahrnehmung?

Die Buddhisten gehen noch weiter. Sagen die ganze Wirklichkeit selbst ist eine Illusion.

Was zu beweisen wäre. Die Zeitillusion, die Farbillusion und die Wirklichkeitsillusion.

Vielleicht 100 oder 200 oder 500 oder 1000 Jahre später.

Bis dahin sehe ich die Nacht dunkel oder hell.

Wolkendunkel, winterdunkel, monddunkel …

Sternenhell, gewitterhell, schneehell …

Und weiß nur, dass ich nichts weiß!

 

 

 

 

 

Fahren fahren durch die nacht..

Licht innen, schwärze hinter dem fenster. Nachts in bewegung sein. Sanftes schaukeln. Ein besonderes gefühl von geborgenheit. Bei sich sein und doch die welt durchstreifen. Eine stimmung, die jeder form nächtlichen reisens zu eigen ist.

Im fluss sein während draußen alles schläft. Die gedanken folgen sich selbst. Sie scheinen eigene Ideen zu haben, wohin sie möchten. Die Korrekturinstanz ist ausgeschaltet. Schreiben als bloßes aufzeichnen. Sichtbar machen, was schon da ist.

Die bewegung im kopf ein sanftes gleiten, passend zur bewegung des zuges über gleise. Stationen als störungen im gedankenfluss.

Dann plötzlich gestrandet. Unser lokführer geht nach hause. Die ablösung ist noch nicht da. Vierzig minuten warten. Auf jemanden, von dem es heisst, er sei noch auf der strecke. Vierzig minuten gedankenstau.

Einzige erkenntnis: Nächte auf schlafenden bahnhöfen gehören zu den langweiligsten erfahrungen seit der erfindung des künstlichen lichts. (Möchte man wirklich die erfahrung machen, nachts auf einem bahnhof ohne künstliches licht zu sein?)

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Warum ist es unangenehm, in einem stehenden zug an einem tisch zu sitzen und zu schreiben, während man dieselbe bewegungslosigkeit an einem tisch im café geniesst?

Stecken geblieben. Das ist die erfahrung. Und das ist auch das gefühl beim schreiben. Nicht vom fleck zu kommen.

Eine stunde später ein einfahrender zug. Hoffnung, dass wir dessen lokführer ausborgen können. Da kommt er. Bleibt stehen. Allein, mitten auf dem bahnsteig, raucht. Muss das sein? Immer diese süchtigen! Wir wollen endlich weg hier.. Ok, ok. Der mann hat seine pause verdient. Rauche, bitte, in ruhe. Und fahr uns dann, entspannt, sicher, nach hause.

Eine zweite erkenntnis: Abhängig sein macht schlechte laune. Und eine delle in die kreativität.

Wir rollen wieder. Korrekter: Wir rumpeln. Liegt es an den gleisen oder an der wahrnehmung? Es dauert – lange – bis dieses gefühl von freiheit, leichtigkeit, zurück kommt.

In sich ruhend durch die welt fahren, nachts..

Klare Nächte

Klare Nächte ohne Sterne,  dabei würde ich so …
… kann ich auf und nieder springen, hin und her,
Millionen SCHAFE zählen, das eine mit dem „L“ vorm „A“
ist nicht dabei.

Klare Nächte ohne Sterne,  dabei sähe ich so gerne
Deneb, Wega, Atair

klare Nächte

Klare Nächte ohne Sterne, dabei würde ich so …
… jetzt packe ich meinen Koffer und dann zurück
zur dunklen Seite der Nacht.

Maja Linthe: Bloggen mit Hut

Kleine helle Nacht mit Schafen

Tagsüber fraßen die weißen Schafe grünes Gras. Jetzt kommt die helle Nacht. Das Gras wird grauer, aber die immer noch weißen Schafe lassen sich den Appetit nicht verderben.

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Helle Nacht in Norwegen

Und immer noch liegt der Widerschein der Sonne auf dem dunklen Fjord neben großen, vom Eis geschliffenen Steinen.

Ich mache ein Panoramafoto von der Nacht, darin bewegt sich das Licht. An und aus geht das Licht, an und aus, in kleinen Kreisen aus Zeit.

Schaum, Wolken und Schafe sind hell mit der Nacht. Am Horizont liegen Wolken auf felsigen Bergen wie Eis. Dort reiht die kleine helle Nacht mit Schafen sich ein in die Zyklen der Zeit.

Claudia Breitsprecher: Ausrufe und andere Zeichen

Schnell die Zähne putzen. Und duschen. Etwas trinken to go. Flugs noch Geld holen. Und ausgeben. Die Zeitung überfliegen. Oder den Äquator. Die Welt bereisen. Und ein Selfie schießen. Vielleicht auch den Vogel ab. Mal eben die Arbeitszeit hinter sich bringen in der Werkstatt, im Labor, in der Praxis, im Büro. Ein Callcenter in der Leitung. Der Anruf kostet Sie. Pro Minute. Fix was essen. Rasch ein Kind zeugen. Rush Hour, um Himmels Willen, so lange dauert das nicht. Kurz das Kind füttern. Und den Opa auch. Ihn beerdigen. Eilends trauern. Blick nach vorn. Licht am Ende des Tunnels. Weit weg.