Archiv der Kategorie: Marion Boginski: Klein(ich)keiten

Marion Boginski: Klein(ich)keiten

Gesucht wird …

Ich verliere oder verlege überaus selten etwas. Vielleicht in zehn Jahren ein Mal.

Aber dann! Aber jetzt!

Vor ein paar Tagen habe ich die blaue Pappmappe im Flur auf dem Schränkchen, später auf dem Schreibtisch gesehen. Aber wo ist sie jetzt?

Ich suche. Ich suche intensiv. Ich räume den Schreibtisch auf und daneben und alle Fächer im Beistellschrank. Nehme Ordner aus dem Regal in die Hand. Alle Ordner. Sicherheitshalber. Vielleicht hat das Unterbewusstsein unbewusst die blaue Mappe in die Sicherheit der Ordner geräumt.

Das Unterbewusstsein hat nicht! Ich frage: Wer hat …  Marion Boginski: Klein(ich)keiten weiterlesen

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Klein(ich)keiten: Marion Boginski

Nachbar links

 

Der Nachbar links ist Zimmermann.

Er zimmert.

Immer.

Mit Hörschutz auf den Ohren.

Und besonders an warmen Sommernachmittagen.

Wenn ich dreißig Zentimeter von ihm entfernt auf der Terrasse sitze.

Kreissägekreischen, hämmern, schleifen.

Holz. Metall. Steine.

Späne fliegen auf meine Laptoptastatur.

In mein Haar.

Ich fliehe ins Haus.

Komme ohne Laptop wieder raus.

Rufe: Hallo! Die Späne fliegen bis zu mir!

Oh, Entschuldigung, ich dachte, die fallen woanders hin.

Können Sie eventuell an das Grundstücksende gehen?

Da hängt Wäsche.

Die kann ich abnehmen.

Warmer Sommernachmittag.

Kreischen, hämmern, schleifen.

Hallo, hallo da fliegen …

Ich dachte …

Warmer Sommertag.

Hallo, hallo, hallo …

Ich dachte …

Sommertag.

Er versteht mich nicht, ich werde schreien müssen!

Heute. Jetzt. Sofort.

Ahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh … Feuer, Feuer, Feuer …

Es brennt, fragt der Nachbar links.

Ja, sage ich, sehr!

 

 

 

Marion Boginski: Klein(ich)keiten

Welche Farbe hat die Nacht?

(Kleine philosophische Frage)

Ist sie schwarz oder grau oder weiß?

Da haben wir das erste Dilemma!

Mit der Farbtheorie von Johannes Itten sind schwarz und grau und weiß keine Farben sondern Nicht-Farben.

Also besteht die Nacht aus Nicht-Farben oder ist nur dunkel oder hell?

Zumindest sind die Weißen Nächte bunt.

Doch verschwinden mit dem Licht rot, gelb, blau und alle Schattierungen dazwischen.

Nachtfoto

Aber waren überhaupt Farben da?

Hier kommt das zweite Dilemma!

Die Zeit ist eine Illusion, meinte Albert Einstein.

Was zu beweisen wäre wie seine „geheimnisvollen Kräuselungen der Raumzeit“, die Gravitationswellen, fast 100 Jahre später.

Kann es sein, dass auch Farben eine Illusion sind?

Dass sie nicht in der Welt existieren, sondern nur in unserem Geist?

Fanden zumindest der Londoner Philosoph und Arzt John Locke und der irische Bischof George Berkeley im 17. Jahrhundert.

Farbe ist nicht da, entsteht nur im Moment des Sehens. Eine Wahrnehmung zwischen Auge und Gehirn.

Und ist so komplex, dass es sich bis heute niemand wirklich erklären kann.

Ist nun die Nachtfarblosigkeit die wahre Wirklichkeit? Und ist Zeitlosigkeit die wahre Wirklichkeit?

Existieren sie nur in unserer Wahrnehmung?

Die Buddhisten gehen noch weiter. Sagen die ganze Wirklichkeit selbst ist eine Illusion.

Was zu beweisen wäre. Die Zeitillusion, die Farbillusion und die Wirklichkeitsillusion.

Vielleicht 100 oder 200 oder 500 oder 1000 Jahre später.

Bis dahin sehe ich die Nacht dunkel oder hell.

Wolkendunkel, winterdunkel, monddunkel …

Sternenhell, gewitterhell, schneehell …

Und weiß nur, dass ich nichts weiß!

 

 

 

 

 

Klein(ich)keiten: Marion Boginski

Kichererbsenkichern

Kichern Kichererbsen heimlich in der Verpackung? Kullern vor Spaß hin und her? Oder kichern schon am Pflanzenstiel? Geben dort Töne von sich. Windbewegte?

Oder beginnt das Kichern erst beim Kochen?

Oder kichern sie gar nicht, besitzen einfach nur lustige Formen?

?, Gehirnhälften, Brathuhn …

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Marion Boginski „Klein(ich)keiten“

 

 

 

blog2

 

 

Sie/er/ich wünschen dem neuen Jahr

Dass es weniger Leid sehen muss auf der Erde.

Es friedlicher wird auf der Welt.

Nein, nicht nur friedlicher, auch friedvoll und friedliebend.

Doch was bedeutet das Wort Frieden?

Althochdeutsch fridu „Schonung“.

Wenn der Mensch den Menschen schont, ist das Frieden?

Ein Zustand der Eintracht und Ruhe und Abwesenheit von Störung, ist das Frieden?

Die ursprüngliche Bedeutung ein Beieinandersein, sich nahe sein, wird angenommen.

Angenommen, die Menschen besinnen sich, dass ein Nahe-sein besser ist, als ein Sich- entfernt sein.

Angenommen, die Menschen beginnen sich zu fragen, weshalb Mensch sich von Mensch entfernt hat.

Kriegsführend entfernt hat.

Angenommen, die Menschen beginnen sich zu fragen, weshalb Mensch den Mensch nicht zufrieden lässt.

Liegt es am Zufriedensein des Einzelnen, dass Mensch gegen Mensch Krieg führt?

Liegt es an Neid, Hochmut, Habgier, Zorn, Stolz oder einer Überzahl anderer menschlicher Schwächen?

Sie/er/ich wünschen den Menschen, dass sie anfangen nachzudenken, was Friede mit Zufriedenheit verbindet.

Ob vielleicht die Zufriedenheit eine Sache des Innen ist und nicht des Außen.

Sie/er/ich selbst zuständig sind für diese Zufriedenheit. Die sie/er/ich dann nach außen tragen des Friedens willens. Und uns selbst befrieden, um die Welt in einen Frieden zu bringen.

Die Menschen hätten es nötig und die Erde auch, bevor zerfällt, was zum Bewahren uns übergeben wurde.

Sie/er/ich wünschen es. Von ganzem Herzen. Mit viel Hoffnung für das neue Jahr!

 

 

Marion Boginski – Klein(ich)keiten

Faulpelz

Wer oder was ist das?

Ein Pelztier, das faul herumliegt? Ein Bär oder Faultier … oder Mensch.

Nur wo ist dessen Pelz hin?

Evolutionsverloren. Schutzverloren. Haar um Haar.

Was oder wer ist ein Faulpelz?

Ein Faulenzer, Nichtstuer, Müßiggänger, Nichtsnutz, Taugenichts …

Liegt auf fauler Haut, versunken in Gedanken, versunken in sich selbst, die Welt um sich vergessend.

Wäre das nicht eine Idee, so zu sein, weltvergessen?

Sie/er/ich würden es gern genießen dieses Faulpelzsein.

Aber bitte ohne grünen oder weißen Schimmel anzusetzen!

Grünen wie beim Faultier, das hängend an den Ästen das Moos der Bäume annimmt.

Auch keinen weißen oder grünlichen, wenn Brot/Käse/Früchte zu lange herumliegen.

Im 17. Jahrhundert kam ein Worterfindermensch daher und sagte: Brot, du Faulpelz! Liegst und liegst und bekommst einen pelzigen Belag.

Bekommen sie/er/ich auch einen Belag wenn wir zu lange herumliegen, uns eine Auszeit gönnen. Bekommen sie/er/ich einen Freizeitbelag?

Nein, diese Worterfindung ist nicht überlebenstauglich, vielleicht, Schlafhaut, Ausruh- oder Erholungspelz?

Viele können gar nicht mehr Faulpelz sein. Stecken fest zwischen dem, was sie tun sollen/müssen/möchten/wollen. So eilen sie/er/ich hastend, ohne zu verweilen.

Bitte melden, wer gern einmal Faulpelz sein möchte und es sich nicht gönnt. Dafür ständig daran denkt.

Heute mal Faulpelz sein oder morgen oder und morgen.

Auf der faulen Haut liegen und nichts tun.

Überhaupt nichts.

Dabei unsichtbaren Schimmel ansetzen.

Der die Welt abperlen lässt.

Nichts berührt sie/ihn/mich. Nichts erreicht sie/ihn/mich. Nichts setzt in Bewegung, auch nicht in gedankliche. Einfach nur

F

A

U

L

sein.

N

I

C

H

T

S

T

U

N

Sie/er/ich versuchen es gerade …

Herzliche Grüße aus Las Palmas!

Marion Boginski: Klein(ich)keiten

Strandnachlese

Die Ferienwohnung ist dieses Mal richtig gut.

Viel zu windig, aber wenigstens scheint die Sonne.

Die Sonnencreme nehme ich nicht, da sehe ich aus wie eine Leiche.

Quallen gehören ins Meer, nicht in den Eimer!

Du hast drei Spritzkuchen gegessen, du kannst keinen Hunger mehr haben!

Ich schließe einfach meine Augen und träume mich ans Mittelmeer.

Gerade ist ein roter Bikini vorbeigeflogen!

Hast du etwa in die Ostsee gepinkelt?

Wenn die Kinder groß sind, reisen wir jedes Jahr in ein anderes Land.

Lass die Sandburg deiner Schwester in Ruhe!

Ob Klara daran denkt, die Schildkröte zu füttern?

Ständig klingelt dein Handy. Du hast Urlaub!

Reich mir mal ein Handtuch rüber, nicht das, das blaue.

Warum fragst du jede Stunde, wie spät es ist.

Was macht die hier? Das reicht, wenn ich die jeden Tag im Büro sehe!

Hier ist es lauter als auf der Arbeit. Wir hätten doch in die Berge fahren sollen!

Kannst du mir mal sagen, wo mein zweiter Bikini hin ist?

Ih, wer hat die Quallen in die Strandtasche gepackt?

Ich hatte vier Spritzkuchen gekauft, oder?

Manche sehen aber auch weiß aus!

Oh Gott, ich habe vergessen Klara den Schlüssel zu geben!

Ich hole mir ein Eis, möchtest du auch etwas?

Wenn ich den Mund aufmache, fliegt sofort Sand rein.

Ach, hallo Mandy, du auch hier!

Du kannst nicht einfach den Bikini einpacken, auch wenn er herrenlos ist!

Super, das kalte Bier!

Er ist frauenlos!

Ah!!!!!!!!!!

Entschuldigung, der Wind hat den Ball abgetrieben.

Endlich Sonne und Meer.

 

 

 

 

 

Marion Boginski – Klein(ich)keiten

blogleichtsinnig

Leichtsinnigerweise leichtsinnig gesagt

Werden Sie nicht leichtsinnig, haben sie/er/ich leichtsinnigerweise gesagt.

Und sind nach dem Aussprechen sofort geholpert, gestolpert, gefallen.

Direkt hinein in das Wort. In die Wortsinnfrage.

L E I C H T S I N N I G

Jemand, der sich keine Gedanken darüber macht, was er tut.

Jemand, der keine allzu großen moralischen Skrupel hat.

Jemand, der fahrlässig, gewagt, riskant, sorglos, verantwortungslos handelt.

Das ist die Bedeutung heute, eine abwertende.

Jemand, der leichten Sinnes ist, der froh ist.

Das war die Bedeutung früher.

L E I C H T S I N N I G

Was für ein wunderbares Wort!

Leichten Sinnes durch die Welt spazieren, gehen, laufen, rennen, springen.

Frohen Mutes sein.

So ein schwebendes, so ein luftiges, so ein beschwingtes Wort!

Aber wo bitte ist der leichte Sinn hin?

Wiesoweshalbwarum ändert sich mit den Zeiten auch die Wortbedeutung?

Im 17. Jahrhundert soll der Sinn des Wortes umgeschlagen sein. Leichtsinnig ist von da an

der nicht Überlegende, Mangel an ernst Zeigende, steht im Grimmschen Wörterbuch.

Leichten Sinnes sein. Würden sie/er/ich gern wollen, sehr gern sogar.

Nicht schweren Mutes, sondern leichten Sinnes.

Was ist der Sinn, wenn die Wortbedeutung sich vom Positiven zum Negativen ändert?

Un-Sinn?

Sie/er/ich möchten den leichten Sinn zurück, möchten das Wort leichtsinnig zurück in

seiner ursprünglichem Bedeutung!

Möchten dieses wunderschöne Wort sinngemäß verwenden.

Leichtsinnig. Leichtsinniger. Am Leichtsinnigsten.

Lasst sie/ihn/mich leichten Sinnes leichtsinnig sein!

Jetzt! Sogleich! Sofort!

 

Marion Boginski – Klein(ich)keiten

Keine Kleinigkeit

Keine Kleinigkeit, weil eine Hetzschrift von vor 81 Jahren.

Keine Kleinigkeit, weil am Ende ein schreckliches Ende für Millionen.

Keine Kleinigkeit in Zeiten von Pegida und AfD.

Weshalb lesen er/sie oder wer auch immer die Hetzschrift „Mein Kampf“?

Kritisch kommentierte 2000 Seiten mit 3700 Fußnoten.

Die Historiker sind sich uneins über die Notwenigkeit und Richtigkeit und Wichtigkeit.

Und gibt es über 55 000 Historiker, die zu Forschungszwecken Schreckliches neu entdecken?

Lesen mehr als 55 000 überhaupt die Kommentare?

Weshalb wird dieses Geschreibe zu einem Bestseller?

Weshalb ist diese Hetzschrift nicht auf dem Index gelandet?

Weshalb ist es vorgesehen zur Lehrplanaufnahme an den Schulen?

Gibt es nichts Besseres zu lesen?

Zum Beispiel „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann“ von Gert Schramm. Letzten Monat in Eberswalde im Alter von 87 Jahren verstorben. Hat viele Jahre vorher er an den Schulen von seiner KZ-haft berichtet.

Zum Beispiel Svenja Flaßpöhler oder Siegfried König oder Richard David Precht oder Sven Böttcher, die das Leben für sie/ihn/mich versuchen zu erklären?

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Fragen über Fragen.

Aber wer gibt ihr/ihm/mir Antworten?

Wohin mit der Sorge, dass aus dieser Hetzschrift ein Geist erwacht, den keiner mehr überwacht? Überwachen kann, der sich selbständig macht? Und Macht hat.

Plötzlich und unerwartet.

Plötzlich und nicht beachtet.

„Die ich rief die Geister, werd ich nun nicht los“, meinte Goethes Zauberlehrling.

Wir haben nichts mitbekommen, haben ihre/seine/meine Großeltern hinterher gesagt.

Wir haben nichts gewusst, haben ihre/seine/meine Großeltern hinterher gesagt.

Und was sagen sie/er/ich – später?

Hoffentlich wird nichts zu rechtfertigen sein!