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Anja Koemstedt. Notizen aus dem Papierkorb

1 hallo, können Sie mir helfen? ich finde meinen inneren wahlomat nicht mehr!
2 ach, fragen Sie doch den freundlichen schutzmann an der ecke!

1 ich nochmal, sagen Sie, darf ich, ohne zu wissen, was ich vekaufen will, einen laden eröffnen?

2 mensch, lesen Sie doch einfach kant, kritik der reinen vernunft. da steht’s.
gedanken ohne inhalt: leer. anschauungen ohne begriffe: blind.

1 äh, also, darf ich?

2 hey: überprüfen Sie doch erstmal Ihre möglichkeiten der erkenntnisfindung ohne verwendung der erfahrung!

1 Sie meinen: backen ohne mehl?

2 ich meine: Sie haben ja keine ahnung, worauf es ankommt!

1 aber Sie!?

2 aber ja! (Beruf: Geldspiel-Automaten-Aufsteller-König von Deutschland.
Anm.d.Red.)

1 also, auch wenn ich Sie nerve, aber, darf ich denn jetzt wählen gehen, ohne zu wissen, wen?

2 na, im zweifel denken Sie einfach mit Ihrem knie. tut keinem weh, haha. oder werfen Sie ne münze. oder geben Sie die münze mir, ich wähle dann für Sie. na?

(So geht’s! Anm.d.Red.)

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Anja Koemstedt. Notizen aus dem Papierkorb

schlafes schwester lullaby

 

sprache spricht auch wenn wir schlafen wispert uns zu raunt ungehörtes

musssoseinsagtsie

noch durch die vergessensten gehirngänge

windet sie sich

ichwilldasnicht

wo doch der mond

unerbittlich hell go to hell so hell

ich würde gerne schschschsch ich darf nicht ich muss

nur nichts als immer

sprache

sprache

verwaist beinahe

unterwegs in engen gassen unerhört

drückt sich in hauseingänge schleicht

durch flure tröpfelt an vorzimmertüren entlang lungert

herum im wartebereich leckt

plastikstühle ab aus langeweile

schmeckt reste weiblicher sitzfeuchte

atmet ———————– durch meinen in meinen

nachtschwarzen saustall hinein
(zwingt mich zu: nacht + schwarz)

(siehe auch: zu: mond + hell go to hell)

also: durch den nachtschwarzen saustall meiner wüsten bilder schießen da

plötzlich < verboteneswort <ichwilldasnicht!

kataraktartig versatzstücke aus wortbruchbaustellen und

übernehmen kurzerhand die bildregie

furchen bahnwitzig zwischen adverbiallosen acryllacken und hirnlosen lösungsmitteln herum (lösung!

los-er-end-, ja, was nun, lösung? mittel? bist du eins? hast du eins? zur lösung?)

 

ich würde gerne schschschsch ich darf nicht ich muss

nur nichts als immer

sprache

schlafdurchlöchert wachliegend ich

spricht sie mich un ent wegt an

 

(mögliches happy end ((eine erfindung von ausgeschlafenen)):

den pinsel getränkt IN BLACK

weg ist der mond)