seitensprünge

Seitensprünge am Strand

Die schweißtreibende Wetterlage führt mich zum See um die Ecke: klares Wasser, bewaldete Ufer, kleiner Sandstrand.
Ich halte zwei Decken unter dem Arm. Eine platziere ich links am Strand, auf dem letzten freien Sonnenplatz, lege ein altes T-Shirt, das mir nicht mehr passt, und zwei wenig interessante Bücher darauf ab. Mit der anderen Decke laufe ich zur rechten Seite des Strandes auf den letzten freien Schattenplatz zu. Er liegt unter einer stattlichen Eiche. Nun schnell die alte Hose und das nicht mehr ganz frische T-Shirt fallen lassen und rein. Zweimal bis zur Mitte des Sees geschwommen, dann raus aus dem Wasser und Richtung Sonnenplatz (linke Seite) zum Trocknen. Die Decke ist bereits leer geräumt, ich habe ausreichend Platz.
Lange halte ich die Hitze nicht aus, gehe hinüber auf die kühle rechte Seite, unter die Eiche. Dort müffelt mein Shirt immer noch auf der Decke vor sich hin. Ich ziehe es an und strecke mich aus, die zusammengerollte Hose unter dem Kopf. Einschlafend sinne ich über meinen nächsten Blogbeitrag nach.

 

…   beim Erwachen sehe ich   …   links und rechts   …   Möglichkeiten   …

 

Also klemme ich die Hose über dem Bauch zusammen, die Decke unter den Arm, und biete meinen frei werdenden Schattenplatz einer jungen Frau in Flatterröckchen und mit rot-grün geschecktem Pferdeschwanz an. Sie scheint verzweifelt nach einem Liegeplatz zu suchen.
„Eigentlich wollte ich nach links in die Sonne“, sagt sie.
„Alles schon belegt“, antworte ich.
„Na gut, für meinen Salat“ – sie weist auf die Plastedose unter ihrem Arm – „ist es hier rechts vielleicht besser. Ich danke dir.“ Sie strahlt mich an und winkt mir nach.
Ausgelassen springe ich zur linken Strandseite hinüber. Dort sucht ein Herr in weißem Hemd und schwarzem Anzug einen Platz. Ich biete ihm den meinen an.
„Vielen Dank“, sagt er. „Aber eigentlich wollte ich dort rechts unter die Eiche“.
„Alles schon belegt“, antworte ich.
„Ja, dann eben hier, wenn es sein muss.“ Er hebt meine Decke auf und reicht sie mir, zusammengelegt.
(Sehe ich denn wirklich schon so alt aus?) „Danke, sehr freundlich.“
Beide Decken unterm Arm verlasse ich den Strand in Richtung Schreibtisch.

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