Archiv für den Monat Februar 2017

Seitensprünge

Und, schon wieder erholt? Tage- und nächtelange Sprünge von einem zum nächsten Kinosessel gut überstanden? Nein? Nein, ich war auch nicht zur Berlinale. Wegen der Karten. Oder Kassen. Zu warte-gemeinschafts-üppig war mein früheres Leben, was eine Schlangenallergie zur Folge hat.
Also bin ich lieber von Feuilletonseite zu Feuilletonseite gesprungen, um auch dabei zu sein. Und hab die Schnipsel der Filme im TV aufgelesen und natürlich im Netz, sorgsam darauf achtend, keine der starken Frauen zu verpassen. Denn es gab sie zuhauf, in den Filmen und mit den begehrten Bären in der Hand. Welch Poesie, welch strahlende Gesichter, welch Triumph!
Und gebloggt wurde … gebloggt … auch von starken Frauen … solltet Ihr nicht verpassen:  Berlinale-Blogbeitrag  Julia Thurnau

Apropos Film – auch alphabettínen arbeiteten schon mit Erfolg in diesem Bereich (bärenstark, wenn auch ohne Berlinale-Bären):

Lisa Dickreiter     und      Ricarda de Haas

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Maja Linthe: Bloggen mit Hut

Was bedeutet es, für ein Blog zu schreiben?

Hat es im Blog eine Bedeutung, dass ich Texte schreibe, die nie auf Papier erscheinen werden? Wie verändern sich Texte auf Papier? Oder wie verändert sich unser Schreiben, wenn wir die Texte gedruckt sehen möchten? Was bedeutet es, dass Leser*innen mir zurückschreiben können? Ähnelt das Blog einem Brief?

Was bedeutet es für ein Blog zu schreiben?

Ewig und schnelllebig

Texte, die online erscheinen, sind kurzlebiger, weil sie schneller verschwinden. Bei Snapchat z.B. verschwinden die Stories nach 24 Stunden. Aber ist das Internet nicht auch der Ort, an dem alles erhalten bleibt? Wird das Printbuch nicht schneller verramscht als das E-book und die gedruckte Zeitung schneller weggeschmissen als ihre Online-Version aus dem Netz verschwindet? Ich schreibe also in das Verschwinden und das Nie-Vergessen gleichzeitig hinein.

Und ja, ich bin mir beim Schreiben bewusst, dass ich für einen kurzen, kurzlebigen Blog schreibe. Kurzlebig deshalb, weil es schon nach einer Woche des Herunterscrollens bedarf, um ihn hinter den darauffolgenden Blogbeiträgen aufzuspüren. Andererseits weiß ich auch, dass jeder, der mich unter meinem Namen sucht, unter Umständen immer diesen einen Blogbeitrag finden wird.

Spontan

Ist mein Schreiben im Blog spontaner, lehnt sich also eher an das automatische Schreiben, die Improvisation z.B. der Beatniks an?

Meine Freundin Dane hat einmal gesagt, sie sei nicht fürs ständige Optimieren gemacht, sie sei mehr für Rock’n Roll. Und ich finde, das ist auch eine gute Beschreibung des Blogs. Ein Blog ist eher Rock’n Roll, sich etwas trauen, ohne es lange auszuprobieren, Mut beweisen zur Spontanität, sich in Texten zeigen, ohne ewig darüber zu reflektieren, wie sie denn auf andere wirken könnten, welches Bild sie von mir als Autorin geben.

Multimedial

Das Blog bietet multimediale Möglichkeiten, die vom reinen Text ablenken, ihn bereichern können. Dies erfordert auch von mir andere Fähigkeiten als nur das Schreiben, wie z.B. die Bildbearbeitung. Ich musste mir einiges an technischem Know-How aneignen, um ein Blog führen zu können.

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Für meinen eigenen Blog habe ich eine für mich neue Blogart zu schreiben entwickelt, kleine Texte, die sich auf die Fotos beziehen, die wiederum Teil der Geschichte sind. Selbst die Hauptfigur ist einem Graffiti, einem Foto entsprungen. Hier im alphabettinenblog experimentiere ich z.B. mit Audios und mit Kommentaren, die ich selbst zum Bestandteil meiner Blogtexte mache. Solche Texte könnte ich auf Papier nie schreiben und sie könnten nur schwer gedruckt werden.

Vernetzt

Als Blogschreiberin schreibe ich gleichzeitig bei mir in der Poetinnenstube als einsame Poetin, als ich mich auch wie bei einer Lesung auf einer Bühne präsentiere. Über die Links und SEO-Möglichkeiten des Blogs bin ich ganz nah dran an der Vernetzung, aber auch am Marketing.

Auf Augenhöhe

Als Schreiberin eines Blogs reagiere ich direkt auf Kommentare. Vielleicht ist eine Blogschreiberin am ehesten mit einer Stadtschreiberin in einer kleinen Stadt vergleichbar, deren Bewohner sie besuchen kommen, während sie schreibt, Besucher, die die Schreiberin nach ihren Texten fragen und von ihr Antworten erhalten. In diesem Sinne ist das Blog eine Möglichkeit, seinen Leser*innen, aber auch anderen Blogger*innen auf Augenhöhe zu begegnen.

 Gemeinsam

Unser alphabettinenblog ist ein gemeinsames Projekt. Zwar schreibe ich in einer eigenen Kategorie, nämlich „Bloggen mit Hut“, aber dennoch erscheinen unsere Texte hintereinander und gemeinsam hier im Blog, wie in einer Blogparade. Manchmal beziehen wir uns aufeinander und kommentieren uns.

 Blograum – Schreibraum

Das Blog scheint mir nicht nur ein Text sondern auch ein Raum zu sein, ein Raum, in dem ich privat schreibend sitze, ein Raum in dem ich veröffentliche, ein Raum, in dem mich andere besuchen kommen, ein Treffpunkt, ein Textraum, ein Klangraum, eine Galerie.

Wir alphabettinen, die bloggen, gehen hinein in den Blograum, treffen uns dort, wissen, wen von uns wir dort als Schreibende antreffen, wir, die wir sonst an verschiedenen Orten wohnen, in Frankfurt/Oder, Heidelberg, Berlin und Halle. Das Blog schafft den Schreibenden einen Raum, keinen Rückzugsraum sondern einen Raum, in dem wir schreiben, den Text bearbeiten, ihn hineinstellen, öffentlich schalten, ihn kommentieren und dazu Kommentare beantworten, einen Ort, an dem wir andere Blogger*innen treffen. Das Blog ist ein Ort und ein Text, Schreibort und Schreiben zugleich. Es liegt an uns, ihn auch als solchen zu gestalten.

Claudia Breitsprecher: Ausrufe und andere Zeichen

Da liegt diese Schachtel auf dem Tisch, seit Wochen schon. Es ist ja nicht so, dass ich ihr keine Beachtung schenke – ganz im Gegenteil. Sehr genau habe ich sie in Augenschein genommen und sogar ihr Innerstes studiert: den Beipackzettel.

Ich muss ja nicht. Im Grunde fühle ich mich pudelwohl. Es wäre alles in Ordnung, gäbe es da nicht diese Forschungsgruppe, die mit ihrem Tun die halbe Menschheit drangsaliert und pathologisiert für Ruhm und Ehr und vielleicht auch noch mehr …

Zu Risiken und Nebenwirkungen.
Was ist denn das eigentlich für ein Wort? Neben Wirkungen.
Das Zipperlein ist behoben, von Herz und Nieren war nicht die Rede, oder was?
Und warum so winzige Buchstabenfolgen? Wollen die mir jetzt etwas mitteilen oder lieber doch nicht? Schreib möglichst klein, dann schrumpfen auch die Bedenken.

Einer bis zehn von 100, von 1000, von 10000 Behandelten; die Nullen bilden lange Ketten und werben um Vertrauen. Aber was denn jetzt – einer oder zehn?
Hier ist es beinahe dasselbe, aber wenn nur zwei statt drei von 1000 erkranken, nennen sie das: ein Argument von 33 Prozent.

Ich ziehe einen Blister aus der Verpackung, befühle die einzelnen Kammern.
Warum soll ich denn nur? Warum soll ich denn nicht?
Vielleicht morgen …