Maja Linthe: Bloggen mit Hut

Self-Publishing und eBook: Ich veröffentliche mich selbst

 

Rhein LU 02 2014 024

eBook veröffentlichen

Wenn ich ein eBook selbst veröffentlichen will, kann ich es bei einem der verschiedenen Anbieter im passenden Format hochladen und, sagen wir für 2,99€, zum Kauf anbieten. Ein eBook zu einem günstigen Preis von 0,99 bis 2,99 € ist schneller in den virtuellen Einkaufskorb gesteckt. Ich überzeuge meine LeserInnen mit der Inhaltsangabe, dem Cover und natürlich mit mir selbst, meiner Biografie, meinem Foto, also meiner Autorinnenschaft, die ich frei entwerfen kann, wenn ich will auch mit multimedialem Pseudonym. Ich kann das Geschlecht wechseln, das Alter, Haarfarbe sowieso. Nur zum Buch sollte es passen und eine Adresse haben für das Impressum. Neulich lernte ich eine Autorin kennen, die unter vier verschiedenen Autorinnennamen veröffentlichte. Einmal sei ein Handwerker gekommen, so erzählte sie, und habe auf all die Namen auf ihrem Klingelschild gedeutet: „Und so viele Leut wohnen in des kleine Häusle?“

Sich veränderndes eBook

Wenn ich mein Ebook auch nach der Erstveröffentlichung weiterschreibe, hat jeder Käufer, der ein älteres Exemplar gekauft hat, automatisch das Anrecht auf ein Update erworben. Denkbar wäre es also, einen Roman zu schreiben, in dem ich beständig die Figuren, die Handlung, den Anfang, das Ende ändere. Das war sicher nicht so gedacht, wäre aber eine Möglichkeit. Jedes Mal, wenn Leser_innen sich bei ihrem eBook-Anbieter anmelden, würde der Inhalt meines Buches verändert. Der Leser oder die Leserin wüsste dann nie genau, wo er oder sie sich im Buch befindet. Selbst das, was er oder sie bereits gelesen hat, könnte schon wieder umgeschrieben worden sein. Genauso könnte das ursprüngliche Ende, das die Leser_innen mit dem Buch gekauft hat, bereits vier Mal geändert worden sein, wenn sie am Ende angelangt sind.

eBook-Autor_innen

Erfolgreiche eBook-Autor_innen haben häufig nicht nur eine Leser_innenschaft sondern vielmehr eine Fangemeinde. Diese Fangemeinde trifft die Autorin oder der Autor auf Facebook, YouTube, Snapchat, Instagram oder aber wird auf Buchmessen von ihr umringt. Die eigene Figur als Autorin oder Autor zu entwerfen und in den sozialen Medien zu vermarkten, gehört zum Geschäft, ist zum Begleittext geworden. So kann man den Heiratsantrag des Freundes auf YouTube senden, antwortet den Fans auf Facebook oder signiert eBook-Reader-Hüllen. Mittlerweile lassen sich eBooks auch mit einem digitalen Unterschriftdienst signieren. Wie die Telefonhörertaste auf dem Handy ist das eine wie das andere ein Relikt aus der Vergangenheit, das es nur noch als Symbol in die Neuen Medien hinübergeschafft hat.

Multimediale Autor_innen

Während das eBook also in der Regel nicht den Inhalt der Bücher verändert oder gar revolutioniert hat, sind zumindest die Autorinnen multimedial geworden. Dadurch ist es viel wichtiger geworden, dass die Autorin als Figur auch zum Buch passt. Wie das Buch zum Film gibt es jetzt die Autorin zum Buch. Sollte ich also als Autorin partout nicht zum Buch passen, kann ich mir ja eine mieten.

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Ein Gedanke zu “Maja Linthe: Bloggen mit Hut

  1. Ich nehme einen Hut und setze ihn auf.
    Ich nehme eine Haut und streife sie über.
    Werde im Manuskript zu einem Thomas.
    Werde bei der Bewerbung zu einem Mario.
    Vermarkte mich mit Hut.
    Einen Versuch ist es wert.

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