Archiv für den Monat Dezember 2015

Frisch gefischt. Notizen aus dem Papierkorb.

1. weihnachtsfeiertag, eigentlich gerade in den 2. gekippt, mitternächtens, zeit also, um beinahe noch tagesaktuelles aus dem virtuellen zettelkasten des internets zu fischen anlässlich des gerade unentwegt mir vom bildschirm entgegenflirrenden wortes BARMHERZIGKEIT – gauck spricht hartnäckig davon in seiner weihnachtsansprache, papst franziskus macht es zum zentralen begriff alles uns jetzt angehenden lebens – Papst Franziskus hat ein außerordentliches Heiliges Jahr der katholischen Kirche ausgerufen. Das „Jahr der Barmherzigkeit“ beginnt am 8. Dezember – die deutschen bischöfe machen brav mit und – rufen die Gläubigen in ihren Diözesen zu einer aktiven Teilnahme am außerordentlichen Heiligen Jahr der Barmherzigkeit auf – und was ist das überhaupt für ein wort, wo kommt das her, aus welchen alttestamentarisch anmutenden tiefen weht es zu uns herauf, ist dabei seltsam vertraut. ich lese unter dem sicher eindimensionalsten link (obwohl er das gegenteil suggerieren will – wissen anschaulich machen wollen sie, wer eigentlich?, vorkauen, bah), der mir seit langem begegnet ist, durchaus auch brauchbares: Die Barmherzigkeit ist eine Eigenschaft des menschlichen Charakters. Eine barmherzige Person öffnet ihr Herz fremder Not und nimmt sich ihrer mildtätig an. Die umgangssprachliche Formel „Mitleid und Barmherzigkeit” deutet an, dass hier Unterschiedliches vorliegt, dass es also bei der „Barmherzigkeit” weniger um ein Mit-Fühlen als um eine dessen nicht bedürftige Großherzigkeit geht. Sie gilt als eine der Haupttugenden und wichtigsten Pflichten der monotheistischen Religionen Judentum, Christentum, Islam, Bahai sowie anderer Religionen wie Buddhismus und Hinduismus.

Siehe http://worterbuchdeutsch.com/de/barmherzigkeit

warum meine aufregung hier, warum das ganze gewese um, Sie wissen schon, ( bin ich vom weihnachtsmops gebissen), wenn es auch kurz und knackig geht – ebenso auf worterbuchdeutsch.com zu finden (chapeau!):

Die Worte! Die Worte! Man hat im Namen der Barmherzigkeit verbrannt und im Namen der Brüderlichkeit guillotiniert. Im Theater der menschlichen Dinge sagt der Zettel fast stets das Gegenteil des Stückes.

Edmond de Goncourt

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Klein(ich)keiten

(Sorry, hier sollte jetzt ein Video stehen, aber entweder wurde der Dateityp nicht unterstützt oder der Film war zu kurz, deshalb ist nur ein Foto von der letzten Sequenz des singenden und tanzenden Schneemanns zu sehen.)

Bald nun ist Geschenkezeit …

… mal wieder! Hatten wir die nicht gerade?
Ach nein, war der Geburtstag von Oma/Opa/Mama/Papa/Kind 1/Kind 2/Kind 3/Freund/Freundin …

Auf die Idee an Geburtstagen Blumen zu verschenken, soll eine clevere Floristin gekommen sein. Auf die Idee am Valentinstag Blumen und Süßigkeiten zu überreichen, ist wer gekommen? Auf die Idee zu Ostern Naschereien und kleine Geschenke zu verstecken, am Muttertag Blumen zu verschenken, zu Weihnachten Schokoladenweihnachtsmänner und Geschenke, viele Geschenke, zu viele, hat sich bitte wer ausgedacht?

Der Weihnachtsmann soll eine Erfindung von Coca Cola sein. Halloween eine Erfindung der Kelten oder der Iren und dann über Amerika um die Welt gewandert.
Das Halloween-Fest ließ vor ein paar Wochen gerade wieder kleine verkleidete Monster an Türen klingeln und um Süßigkeiten betteln: Gib mir Süßes, sonst gibt es Saures! Zahnpasta und Toilettenpapier an Türklinken.

Und nun wieder Weihnachten. War nicht gerade der 24.12.? Ist schon 360 Tage her? Kann nicht sein!
Sie/er/ich begeben sich also erneut in den Geschenkeeinkaufstrubel. Rolltreppe hoch und höher. Türen öffnen sich und schließen. Laptop klappt auf und zu.
Was wollen er/sie/ich kaufen für Oma/Opa/Mama/Papa/Kind1/Kind2/Kind3/Freundin/Freund. Kinder wissen immer, was man ihnen schenken kann, eine lange Liste gezeichnet und geschrieben. Eigentlich brauche ich nichts, sagen dagegen sie/er/ich. Und freuen sich doch, wenn sie ein Geschenk bekommen oder auch zwei oder …
Also Rolltreppe hoch und mal schauen, was für ihren/seinen/meinen Geldbeutel passt oder passen könnte. Bücher passen immer.

Ein Buch für Oma/Opa/Mama/Papa/Kind1/Kind2/Kind3/Freund/Freundin …
Halt! Opa liest gerade nicht, seine Augen, sagt er zu ihr/ihm/mir.
Oma hat noch das Buch vom letzten Weihnachten und Geburtstag auf dem Nachtisch liegen.
Mama und Papa kommen wegen Kind1/Kind2/Kind3 nicht zum Ins-Buch-schauen. Aber sie/er/ich könnten trotzdem eines verschenken zum Späterlesen.
Dazu gibt es Bücher für die Kinder, denken sie/er/ich. Außerdem etwas von den Kinderzetteln, die lang und länger sind. Sie/er/ich können sich etwas aussuchen, was passt, was kindsmäßig und geldmäßig passt.

Die Füße sind mittlerweile lahm, der Laptop heiß gelaufen und was schenkt man nun den Erwachsenen, denken sie/er/ich. Und haben eine Idee. Sie/er/ich schenken sich und anderen eine ruhige und entspannte Adventszeit. Kaufen keine weiteren Geschenke. Sie/er/ich freuen sich über die gewonnene Zeit, freuen sich auf das Nicht-einpacken-müssen. Freuen sich über fehlende Geschenkpapierberge hinterher. Denken sie/er/ich. Hoffen sie/er/ich.
Und laufen in Geschäfte und fahren bis zum Heiligabend Rolltreppen rauf und runter und klappen den Laptop auf und zu und denken: Vielleicht eine Idee für das nächste Jahr. Oder übernächste. Schön wäre es schon. Ein Weihnachten nur mit Gaben für die Kinder. Alle anderen schenken sich eine stressfreie Zeit und entspannte Gesichter am Heiligabend.
Möge es ihr/ihm/mir nicht so ergehen wie dem Schneemann im Video/Foto!
Merry Christmas!

Arriving in Berlin

Berlin vereint die Nachteile einer amerikanischen Großstadt mit denen einer deutschen Provinzstadt. Seine Vorzüge stehen im Baedeker..“ 

(Kurt Tucholsky: Berlin! Berlin!, 1919)

 

.. oder in diesem Blog

Diese Stadt ist immer wieder erstaunlich. Wer auch immer neu hierher kommt und etwas braucht (oder wer von den bereits hier Wohnenden Lust auf Neues hat) wird – egal worauf das Interesse sich richtet – in Berlin fündig. Insofern stellt sich nie die Frage, ob man das Nötige findet, sondern nur wo man es findet und wann. Information und Navigation sind so eng miteinander verzahnt, dass eine der ersten Lektionen für Neuankömmlinge darin besteht, alle Entscheidungen des Alltags, vom Sportkurs bis zur Arztwahl, nicht nur von der Qualität des Angebots sondern auch von dessen geographischer Lage, sprich: der Zeit für Wege, abhängig zu machen.

 

Zur Navigation braucht es Karten.

In die anfangs so hilfreichen analogen oder digitalen Stadt- und U-Bahnpläne werden persönliche Markierungen gesetzt wie kleine bunte Leuchttürme: Universitäten und Kinos, subkulturelle Clubs oder queer-feministische Adressen, Orte, an denen es gutes Essen gibt oder coole Drinks.. Dieses Sammelsurium an Informationen schreibt sich ein in die nun buchstäblich virtuellen Stadtpläne: im Kopf gespeicherte private Karten der Stationen des je eigenen Lebens. Sobald das Glück einer neuen Liebe darin verzeichnet ist – oder die Traurigkeit einer verflossenen – ist der Moment gekommen, in dem den Neuberlinern die erste Silbe aberkannt wird: sie sind zu echten Einwohnern geworden.

 

Das wirklich besondere an Berlin..

.. ist aber, dass falls etwas Nötiges doch mal fehlen sollte, sich immer Menschen finden, die dafür sorgen, dass diese Not beendet wird. Ich kenne keinen anderen Ort, an dem nicht nur so viele verschiedene Menschen über so viele verschiedene Ressourcen verfügen, sondern an dem sie auch tatsächlich in der Lage sind, diese für konstruktive Projekte zu nutzen.

 

Open Source Map „Arriving in Berlin

Jetzt hat sich also eine kleine Gruppe rund ums Haus Leo und das Haus der Kulturen der Welt in den Kopf gesetzt, Neuankömmlingen dieses mühsame Einwohnerwerden zu erleichtern. Nicht nur irgendwelchen Neuankömmlingen, sondern denen, die vor besonderen Herausforderungen stehen. Mit dem interaktiven Stadtplan „Arriving in Berlin“ soll Flüchtlingen ein einfacher Zugang zur Stadt ermöglicht werden. In drei Sprachen – Englisch, Arabisch und Farsi – sind sprachkundige Ärzte, Informationen zu Nahverkehr, Polizei und Ämtern, aber auch Bibliotheken mit kostenlosem WLAN-Zugang sowie Kulturorte verzeichnet. Da das Projekt auf Open Source beruht, kann jede/r Informationen beisteuern, und so das Netz dichter spinnen.

Von Karl Scheffler stammt der legendär gewordene Satz: „Berlin [ist] dazu verdammt: immerfort zu werden und niemals zu sein.“ Mit Blick auf diese Karte und ihre Implikationen – wieder einmal hat eine neue Gruppe ihren Bedürfnissen Rechnung getragen, und sie macht zugleich dieses Bedürfnis in einem neuen virtuellen Stadtplan unmissverständlich sichtbar – möchte man fragen, wo denn da die Verdammnis liegen soll? Andere Städte haben vielleicht mehr Geld, eine effizientere Verwaltung oder eine jahrtausendalte Geschichte. Berlin hat findige BewohnerInnen, und sie hat eine Kultur, in der niemand – und das scheint signifikant zu sein – ein Interesse daran hat, diese findigen Menschen bei ihren die Stadt sanft verändernden Aktivitäten zu stören.

 

Apropos Karten:

Unter der Seite Viewsoftheworld ist eine interessant verzerrte Deutschland-Karte zu sehen. Anders als in einer gewöhnlichen Karte wird nämlich die Größe der Bundesländer anhand der Zahl der von ihnen aufgenommenen Flüchtlinge berechnet. Berlin, Hamburg und Bremen sind sehr groß eingezeichnet, während Thüringen, Sachsen und Brandenburg deutlich schrumpfen, und Bayern sowie Baden-Württemberg dezent auf Diät setzen. http://www.viewsoftheworld.net/wp-content/uploads/2015/08/RefugeeMapGermany2015.jpg

Berlins Veränderungsbereitschaft, die Scheffler vor über hundert Jahren als Tragik bezeichnete, scheint aus heutiger Sicht ein Segen zu sein.

Seitensprünge

Wenn man zur Seite springt, kann es passieren, dass man in einem Fettnapf landet. Unangenehm, vielleicht peinlich, aber immerhin: gelandet. Also besser als in keinem Topf zu landen.

Letzteres passiert Autorinnen und Autoren öfter mal, wenn das Geschriebene zwar sehr interessant und klug, von wunderbarer Sprache und feinem Humor ist, aber – eben in keinen der Töpfe passt, die Agenturen und Verlage aufgestellt haben: kein eindeutiges Genre, kein vermarktungsfähiges Format, und vor allem – die Zielgruppe!

Für welche Zielgruppe bitte ist dieses Werk gedacht?

Na für diese von denen und jene von den andern und …

Keine konkrete und ausreichend große Zielgruppe?

(Mist, wieder nicht im Topf gelandet.)

Tut uns leid, wirklich, versuchen sie es doch mal bei den kleinen Verlagen oder als E-Book, ja überhaupt: Im Internet gibt es doch so viele Möglichkeiten, etwas zu veröffentlichen …

Auch alphabettínen haben ihre Erfahrungen mit diesen Töpfen.

Und deshalb springen sie anderen schreibwütigen Menschen zur Seite, unterstützen sie, beim Springen in einem Topf zu landen:

Ingrid  Kaech:  http://www.schreibbühne.de

Carmen Winter: http://www.carmenwinter.de

Claudia Breitsprecher: http://www.claudiabreitsprecher.de