seitensprünge

Jahresbilanz: keine Ungereimtheiten

… und wieder ist es ihnen gelungen, geschickt und mutig sind sie gesprungen, aus Köpfen in die Tastaturen, auf Server und in Agenturen, in Blogs oder zu den Lektoren*, auf volle Tische, in offene Ohren von Verlegern* und Juroren*, in manche kassennahe Regale oder auf hippe Webportale, unbeirrt auf Lesebühnen => => die Ideen der alphabettínen

(*: na, ihr wisst schon, die ‚innen‘ sind immer und an erster Stelle mitgedacht, reimen sich aber nicht so gut – also doch Ungereimtheiten …)

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Claudia Breitsprecher: Ausrufe und andere Zeichen

Bushaltestelle

Trüb der Himmel. Sprühregen und Nebel. Ich ziehe die Schultern hoch und den Schal bis über die Nase. Der Bus kommt. Hat nur noch fünfzig Meter bis zur Haltestelle so wie auch ich. Aber er fährt und kommt näher. Ich warte an der roten Ampel. Autos rauschen vorbei, viel zu viele, viel zu schnell.
Der Bus hat die Haltestelle beinahe erreicht. Ich sehe den Blinker, trete auf der Stelle. Die Ampel springt um.
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Claudia Schattach: Ansichten einer Kurzsichtigen

Zieht euch warm an, die Zeit der Windsbraut ist gekommen! Sturmzerzaust braust sie mit gewetzten Zähnen durch schwarzes Gewölk und wirbelt über finsteren Himmeln rasende Schönheit auf. Sie heult um die Ecken vermeintlich sicherer Häuser, in denen Frevel hausen, schreit bis die Fenster platzen und fegt durch schmutzige Stuben, tobt durch missbrauchte Betten, reißt und zerrt am Niederträchtigen bis es in Fetzen liegt …

 

ABC

Postkarte aus BLOSSIN

In den brandenburgischen Wäldern, außerhalb des Berliner Rings, ja, außerhalb dieses Autobahnrings rings um die Stadt, die sich beständig in die Wälder hineinfrisst und in die Dörfer, da liegt das Alphabet auf der Straße und auf allen Stufen, die nach oben führen und auf allen Stufen, die nach unten führen. Dort wollten wir uns treffen.
Autorinnentreffen im Wald bei Blossin. Die Buchstaben lagen so offenbar auf der Straße und auf den Treppenstufen, wir mussten uns dort treffen und lesen und reden, fragen und antworten, Texte abklopfen. (Ach, immer dieser begrenzte Platz auf den Postkarten, es gäbe noch so viel zu erzählen.)

Anja Koemstedt. Notizen aus dem Papierkorb

ruhig brauner

all die alternativen für deutschland

aldi alter nativ für deutschland und ein liedl auf den lippen

von völkern und freiheit und

geld macht geil

und endlos gleist das gebalke der donnermänner durch meinen gehörgang

„lasst uns unser land in ein land der pilze verwandeln!“

flüstert kim jong un aus tausend lautsprechern

(das träume ich, das flüstern; beinahe schon poetisch)

vorbildliche ordnung

thomas bernhard bleibt erstaunlich ruhig und schreibt: „ da ist ein nazi in der suppe“

ja, frau christa wolf, welch glückliche einrichtung, dass auf der stirn nicht zu lesen ist, was hinter ihr gedacht wird

das erledigt heutzutage unser täglich netz

Marion Boginski: Klein(ich)keiten

Gesucht wird …

Ich verliere oder verlege überaus selten etwas. Vielleicht in zehn Jahren ein Mal.

Aber dann! Aber jetzt!

Vor ein paar Tagen habe ich die blaue Pappmappe im Flur auf dem Schränkchen, später auf dem Schreibtisch gesehen. Aber wo ist sie jetzt?

Ich suche. Ich suche intensiv. Ich räume den Schreibtisch auf und daneben und alle Fächer im Beistellschrank. Nehme Ordner aus dem Regal in die Hand. Alle Ordner. Sicherheitshalber. Vielleicht hat das Unterbewusstsein unbewusst die blaue Mappe in die Sicherheit der Ordner geräumt.

Das Unterbewusstsein hat nicht! Ich frage: Wer hat …  Marion Boginski: Klein(ich)keiten weiterlesen

seitensprünge

Seitensprünge

Wie sehen eigentlich mit den Seitensprüngen der digitalen Schreiber*innen aus?

Die digitalen Schreiber*innen suchen für ihre Seitensprünge nach B***en. Huschen da hinein („Hoffentlich sieht mich niemand!“), nehmen die Objekte ihrer Begierde und legen sie vor sich hin.

Drücken sie, streicheln sie, bohren ihre Finger hinein, schnuppern an ihnen, lassen sie durch ihre Hände gleiten und wägen sie ab. Dann mustern sie die Objekte ihrer Begierde ein letztes Mal, nehmen sie vielleicht in den Arm und lassen sie zurück, wenn sie mit verklärtem Blick aus den B***en heraushuschen.

Kopfschüttelnd schauen ihnen die Angestellten der B***  hinterher und stellen die Objekte der Begierde in die Regale zurück.

Maja Linthe: Bloggen mit Hut

Unterrichten an der Uni Mannheim

Nächstes Wochenende werde ich an der Uni Mannheim die erste Hälfte meiner Übung „Von der Idee zum Text. Kreatives Schreiben für verschiedene Publikationsformen unterrichten.“ Ich werde die Textarten Blog, Essay, biografischer Text und Texte fürs Marketing behandeln.

17 Student*innen haben sich für die Übung angemeldet, und ich bin schon sehr gespannt. Ich erhoffe mir auch von den Student*innen Antworten darauf, wie sich unser Schreiben durch das Internet und die Digitalisierung verändert hat.

 

Das „uncreative writing“ von Kenneth Goldsmith

Im Vorfeld der Übung habe ich mich mit Kenneth Goldsmith beschäftigt, einem Autor, Künstler und Writing-Professor, der den Begriff des „uncreative writing“ prägte. Nach Goldsmith kann kein Schreiben mehr so tun, als ob es das Internet nicht gäbe. Uncreative writing bedeutet in Zeiten von Copy und Paste ein Remixen, eine Wiederverwertung von Texten, die es im Internet massenhaft gibt. Aber selbst das Abtippen macht eine Auswahlentscheidung erforderlich. Maja Linthe: Bloggen mit Hut weiterlesen

Claudia Breitsprecher: Ausrufe und andere Zeichen

Wählen gehen!

Es einfach tun. Keine Ausreden. Kein Wenn und Aber.

P1070505 (2)

Eine Schlange von den Tischen bis zur Tür.
Sich die Zeit vertreiben, die Wartenden studieren. Was die wohl …?
Der Alte vorn führt seinen Dackel aus, schaut kurz im Rathaus vorbei. Einmal wie immer, bitte. Dem Hund ist’s egal.
Die Frau im Schlabberlook hat die Lippen fest aufeinandergepresst. Drängelt und schubst und schiebt sich vorwärts. Will endlich heimzahlen. Oder ist bloß sauer, weil ihr Lover sich das Frühstück aus den Zahnzwischenräumen pult.
Muss ihr Lover sein, tätschelt nun ihren Hintern. Blickt sich um. Alles neu für ihn. Claudia Breitsprecher: Ausrufe und andere Zeichen weiterlesen